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EU-Indien: Weg für Freihandelsabkommen frei
„Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien markiert einen nächsten großen Schritt für Europas wirtschaftliche Resilienz. Mit fast zwei Milliarden Menschen entsteht eine der größten Freihandelszonen der Welt. Das Abkommen macht deutlich: Europa handelt entschlossen und stellt seine Partnerschaften breiter auf. Davon profitiert unsere Exportwirtschaft – und Europas Position in der globalen Wirtschaft“, betont Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche.
Das Abkommen verbessert laut Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums den Marktzugang zum indischen Markt insbesondere für die exportorientierten Branchen der deutschen Wirtschaft – darunter Maschinenbau, Chemie/Pharmazie, Elektrotechnik. Luft- und Raumfahrt sowie die Fahrzeug- und Zulieferindustrie. Nach vollständiger Umsetzung würden Zölle auf rund 96,6 Prozent der EU-Ausfuhren nach Indien abgeschafft oder gesenkt. Darüber hinaus ziele das Abkommen darauf ab, bestehende Handelshemmnisse zu reduzieren und Verfahren im bilateralen Handel zu erleichtern, um den Marktzugang für Unternehmen praktikabler zu gestalten. Dies sei vor allem auch für mittelständische Unternehmen ein wichtiger Fortschritt.
Die Einigung schließe sich an die erfolgreichen Verhandlungsabschlüsse mit Indonesien, MERCOSUR und Indien an; gleichzeitig füge sie sich in die Freihandelsagenda der Europäischen Union und Deutschlands ein.
Bruttoinlandsprodukt 2025 um 0,2 Prozent gewachsen
„Nach zwei Rezessionsjahren ist die deutsche Wirtschaft wieder leicht gewachsen. Das Wachstum ist vor allem auf die gestiegenen Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates zurückzuführen“, sagt Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, auf der Pressekonferenz „Bruttoinlandsprodukt 2025“ in Berlin. „Demgegenüber gaben die Exporte erneut nach. Die Exportwirtschaft sah sich heftigem Gegenwind ausgesetzt durch die höheren US-Zölle, die Euro-Aufwertung und die stärkere Konkurrenz aus China. Zudem hielt die Investitionsschwäche an. Sowohl in Ausrüstungen als auch Bauten wurde weniger investiert als im Vorjahr“, so Brand weiter.
Exporte von Waren und Dienstleistungen sinken leicht
In einem für den deutschen Außenhandel turbulenten Jahr seien die Exporte 2025 nochmals zurückgegangen (-0,3 Prozent), das war der dritte Rückgang in Folge. Ursächlich waren die Warenausfuhren, die das Vorjahresniveau preisbereinigt um 0,7 Prozent unterschritten. Betroffen seien Kernbereiche der deutschen Exportwirtschaft gewesen: Nach den bislang vorliegenden Daten der Außenhandelsstatistik bis Oktober 2025 seien weniger Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen und chemische Erzeugnisse exportiert worden. Die Dienstleistungsexporte seien dagegen preisbereinigt 1,1 Prozent höher als im Vorjahr gewesen.
Auf der Importseite sei die Situation im Jahr 2025 gänzlich anders gewesen: Nach zwei Jahren mit Rückgängen legten die Einfuhren preisbereinigt kräftig um 3,6 Prozent zu, heißt es weiter. Treiber seien die Warenimporte gewesen, die deutlich um 5,1 Prozent anstiegen. Unter anderem seien mehr Maschinen, elektrische Ausrüstungen, pharmazeutische Erzeugnisse und Nahrungsmittel importiert worden als 2024. Die Einfuhren von Dienstleistungen seien mit einem Zuwachs von 0,2 Prozent hinter die Wachstumsraten der Vorjahre zurückgefallen.
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ifo Institut: Nur jeder fünfte Beschäftigte nutzt KI regelmäßig
Der aktuellen ifo-Studie zufolge haben rund 64 Prozent KI bereits eingesetzt, die meisten nutzen sie jedoch nur gelegentlich. „Zudem wurde die KI-Hauptanwendung nur bei etwa einem Drittel der Nutzenden auch vom Unternehmen eingeführt – zwei Drittel nutzen KI demnach also eigeninitiativ“, sagt Oliver Schlenker, stellvertretender Leiter des Ludwig Erhard ifo Zentrums für Soziale Marktwirtschaft.
Die individuelle Nutzung konzentriere sich laut Studie stark auf leicht zugängliche Text‑Tools (zum Beispiel ChatGPT, Übersetzer), die einfach verfügbar sind und geringe Einstiegskosten haben. Diese würden von über 80 Prozent der KI-Nutzenden verwendet. Die formelle arbeitgebergesteuerte Nutzung von KI-Tools konzentriere sich zudem auch auf komplexere oder kostspieligere Anwendungen (zum Beispiel diagnostische Tools, Sprach- oder Bildverarbeitung). „Die Beschäftigten berichten jedoch auch, dass die betriebliche Einführung von KI mit einer höheren Nutzungshäufigkeit, mehr Weiterbildungsangeboten, mehr KI-basierter Supervision und höheren Produktivitätsgewinnen einhergeht“, sagt Schlenker.
Die Ergebnisse basieren auf Auswertungen der zweiten Befragung zur Verbreitung und Auswirkungen von Digitalisierung und Wandel der Beschäftigung (DiWaBe 2.0) von 2024. Das ifo Institut hat die Analyse gemeinsam mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) durchgeführt. Die Umfrage umfasst ca. 9.800 Interviews und sei repräsentativ für die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland. Die dargestellten Ergebnisse zeigten Korrelationen und Zusammenhänge, keine kausalen Effekte.
Welthandel trotzt Handelskriegen
Der Welthandel hat sich 2025 stabiler als erwartet erwiesen. Der Containerumschlag-Index des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) ist laut aktueller Schnellschätzung im November des abgelaufenen Jahres nur leicht auf 137,5 Punkte gesunken. Der Gesamtindex ist damit gegenüber dem Jahresanfang nahezu unverändert, teilt das RWI weiter mit.
Europa kämpfe mit strukturellen Problemen. Zwar sei in den Häfen des nördlichen Euroraums (Nordrange-Index) der Containerumschlag gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt von 111,2 Punkten (revidiert) auf 118,0 Punkte im November kräftig gestiegen. Die Zunahme gehe allerdings auf das Streikende in Antwerpen zurück. Somit gelte weiter: Die europäischen Häfen hinkten dem weltweiten Umschlag hinterher. Die Lücke zu anderen Weltregionen schließe sich nicht.
In den chinesischen Häfen sei der Containerumschlag von 152,3 Punkten im Vormonat (revidiert) auf 150,2 Punkte zurückgegangen.
Zur Entwicklung des Containerumschlag-Index sagt RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt: „Der weltweite Containerumschlag beweist eine bemerkenswerte Resistenz gegen die handelspolitischen Turbulenzen. Für Europa ist das kein Grund zur Entwarnung. Während wir stagnieren, festigen andere ihre Positionen auf dem Weltmarkt. Die Globalisierungs-Dividende ist aufgebraucht. Wer jetzt noch auf Exporte setzt statt auf Strukturreformen, spielt russisches Roulette mit der Zukunft. Lösungen für die heimische Wachstumsschwäche müssen daher in Deutschland gefunden werden.“
Globales Interesse an Industrierohstoffen weiter schwach
Die Nachfrage nach Industrierohstoffen dürfte angesichts der weiterhin schwachen globalen Konjunkturdynamik vorerst keinen spürbaren synchronen Preisauftrieb erzeugen. Überkapazitäten sowie die schwache Binnennachfrage in China - unter anderem infolge der anhaltenden Probleme im Immobiliensektor - begrenzen zusätzliche Preissteigerungen, informiert die IKB Deutsche Industriebank AG, Düsseldorf. Der Ölpreis dürfte angesichts eines insgesamt gut versorgten Marktes und nur moderat steigender Nachfrage eher in einer breiten Seitwärtsbewegung verlaufen, heißt es weiter.
Edelmetalle, insbesondere Gold, erhielten hingegen Unterstützung durch geopolitische Unsicherheiten und sinkende Renditen. Dies gelte umso mehr, sollte sich die US-Wirtschaft überraschend deutlich abkühlen und damit die Unsicherheit über die US-Handelspolitik erneut zunehmen.
Insgesamt bleibe festzuhalten, konjunkturelle Rohstoffe würden nur überschaubare Preisimpulse erhalten.
Die Weltrohstoffpreise zogen laut IKB-Angaben im November auf Dollarbasis um 3,2 Prozent an. In Inlandswährung habe der Anstieg aufgrund einer leichten Abwertung des Euro zum US-Dollar 3,8 Prozent betragen.
Massive Defizite, schwache Dynamik
Die deutsche Wirtschaft hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Für mehr als ein mageres Plus von 0,1 Prozent reicht es in diesem Jahr jedoch nicht, zeigt die Winterprognose des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. Ab dem kommenden Jahr setzt die expansive Finanzpolitik zwar konjunkturelle Impulse, die aber geringer ausfallen, als bislang erwartet. Das Kiel Institut rechnet 2026 eigenen Angaben zufolge mit einer Zuwachsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,0 Prozent (bislang 1,3 Prozent) und 2027 von 1,3 Prozent. Bremsend wirkten neben strukturellen Hemmnissen auch die schwächelnden Exporte aufgrund der US-Zollpolitik und rückläufigen Ausfuhren nach China.
„Die vielen strukturellen Probleme im Sozialsystem, die Überbürokratisierung oder der Rückstand bei Künstlicher Intelligenz und anderen modernen Technologien lassen Deutschlands Wirtschaft auf der Stelle treten“, sagt Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts. Es sei insgesamt enttäuschend, „dass wir für das kommende Jahr nicht mehr als ein Prozent Zuwachs erwarten können, obwohl die Bundesregierung hohe Schulden aufnimmt und die staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung erhöhen will“.
Nach Einschätzung von Stefan Kooths, Konjunkturchef des Kiel Instituts, könne sich ohne wachstumsstärkende Reformen „kein selbsttragender Aufschwung einstellen. Für die Unternehmen stehen hinter den Standortfaktoren weiterhin zu viele Fragezeichen, um sich hierzulande wieder stärker zu engagieren. In dem Maße, wie die zuletzt kräftigen Lohnzuwächse vermehrte Abfindungszahlungen widerspiegeln, ist das ein weiteres Krisensignal aus den industriellen Kernbereichen. Unternehmen, die sich heute von Personal trennen, sehen in absehbarer Zukunft keine Chancen auf Besserung. Das ist eine Misstrauenserklärung an den Standort Deutschland.“
Die Weltwirtschaft legt laut Prognose des Kiel Instituts im laufenden und kommenden Jahr um gut drei Prozent zu. Dabei verliere die Dynamik in den Vereinigten Staaten und im Euroraum zunächst an Fahrt, während die Konjunktur in China nicht in Schwung komme.
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Kräftiger Rückgang des Containerumschlags in Europa
Der Containerumschlag-Index des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) ist laut aktueller Schnellschätzung im Oktober dieses Jahres auf 137,2 Punkte gestiegen. Der Gesamtindex holte seinen Rückgang gegenüber dem Vormonat damit weitgehend auf, teilt das RWI weiter mit. Deutsche und europäische Häfen verlören jedoch weiterhin massiv Containerfracht. Im Oktober sei der Containerumschlag um fünf Indexpunkte – der dritte Rückgang in Folge – gesunken. Nach der Belebung des Handels in Europa im vergangenen Jahr falle Europa weiter zurück und entkoppele sich zunehmend vom Welthandel.
Zur Entwicklung des Containerumschlag-Index sagt RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt: „Europa verliert seit 2022 Anteile am Welthandel*.* Dazu dürften zum einen die Sanktionen gegen Russland beigetragen haben. Zum anderen haben die stark gestiegenen Energiekosten die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen verschlechtert. Nicht zuletzt leiden die Importe unter der schwachen Konjunktur in Europa. Es gibt daher wenig Hoffnung, dass Europa in Kürze mit der weltwirtschaftlichen Entwicklung wieder Schritt halten kann.“
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ifo Geschäftsklimaindex gefallen
Die Stimmung unter den Unternehmen in Deutschland hat sich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex sank im November auf 88,1 Punkte, nach 88,4 Punkten im Oktober, teilt das ifo Institut in München mit.
Der leichte Rückgang sei auf pessimistischere Erwartungen zurückzuführen. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage hingegen etwas besser. Die deutsche Wirtschaft zweifele an einer baldigen Erholung.
Im Verarbeitenden Gewerbe sei der Index gefallen. Insbesondere die Erwartungen bekamen einen deutlichen Dämpfer, heißt es weiter. Die Unternehmen blickten skeptischer auf die kommenden Monate. Der Auftragsbestand sei leicht rückläufig gewesen. Mit den laufenden Geschäften waren sie hingegen etwas zufriedener, so das ifo Institut.
Im Dienstleistungssektor habe sich das Klima erneut aufgehellt. Die Dienstleister beurteilten die aktuelle Lage etwas besser. Die Aussichten trübten sich jedoch leicht ein. Einen merklichen Rückschlag habe es im Bereich Transport und Logistik gegeben, im Tourismus sich die Stimmung hingegen deutlich aufgehellt. Im Handel habe das Geschäftsklima nachgegeben. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Lage etwas schlechter. Auch ihre Erwartungen rutschten nach unten. Insbesondere der Einzelhandel zeigte sich zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts enttäuscht.
Auch im Bauhauptgewerbe verzeichnete der Index einen Rückgang. Während die aktuelle Lage einen klaren Aufwärtstrend zeige, fielen die Erwartungen erneut pessimistischer aus. Die schwache Nachfrage bleibe ein bestimmender Engpass.
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